Are You Yourself?

„Bist du du selbst?“

Gestern Abend saß ich mit einigen Mädels beim Essen unserer selbstgemachten Quiche zusammen und ich weiß nicht mehr genau wie wir darauf kamen, aber plötzlich fingen wir an, über Gott und die Welt zu philosophieren. „Glaubst du an ein Schicksal oder an den Zufall?“ lautete eine der ersten Fragen, die in unsere kleine Runde geworfen wurde. Diese Frage kann denke ich jeder nur für sich selbst beantworten. Ich für meinen Teil aber glaube, dass nichts im Leben rein zufällig passiert – aber auch nichts von vornherein komplett vorbestimmt ist. Ich glaube, dass es im Leben immer wieder Situationen gibt, die einen auf die Probe stellen, von scheinbar untragbar schwerer Last geprägt sind und einen an die Grenzen bringen – oder einen doch darüber hinaus wachsen lassen?

Man muss Entscheidungen treffen, den richtigen Weg versuchen zu erkennen und für sein eigenes Handeln einstehen. Man wächst, wird stärker, mutiger, klüger. Es macht den Anschein, als entscheide man sich manchmal „richtig“, manchmal „falsch“ – doch woher wissen wir, dass diese Entscheidung die Richtige oder eben die Falsche war? Woher wissen wir, dass wir nicht trotzdem an genau demselben Punkt im Leben stehen würden, wenn wir den anderen Weg gegangen wären?

Natürlich habe auch ich mich schon öfters in meiner Lebenszeit bei dem Gedanken erwischt, dass ich mich selbst gefragt habe, was wohl passiert wäre, wenn ich mich in bestimmten Momenten anders entschieden hätte. Wo ich jetzt leben würde; ob ich genauso aussehen würde, wie ich es heute tue und ob genau dieselben Menschen in meinem Leben und meinem Herzen einen Platz haben würden, die es heute auch haben – und wenn ich so überlege, denke ich: Ja! Auch dann wäre ich hier, in genau dieser Stadt, mit genau diesem Aussehen und genau diesen Menschen an meiner Seite – vielleicht wären einige zwar noch nicht sichtbar für mich, aber sie wären dennoch da.

Vielleicht ist es hoffnungslose Romantik, vielleicht aber auch Realität, jedoch glaube ich ganz fest, dass das, was zusammen gehört auch irgendwann zusammenkommt und das jede Entscheidung, die wir treffen, wichtig für uns selbst und vor allem unsere eigene Entwicklung ist. Tief in uns allen tanzen Träume, Ideen, Vorstellungen und Wünsche.  Bedürfnisse, Gedanken und Hoffnungen, die wir immer in uns tragen und die beeinflussen, wie wir uns entscheiden – obwohl wir letztlich doch eigentlich alles selbst in der Hand oder nicht? Wenn man sich selbst ganz genau zuhört und sich selbst versucht zu verstehen und die inneren Tanzenden in einem jeden von uns auch ihren Tanz tanzen lässt, dann ist es letztlich keine Frage mehr von „richtig“ oder „falsch“, sondern lediglich von „Stärke“ oder „Schwäche“, meinetwegen auch von „Mut“ oder „Angst“.  Unsere Entscheidungen jedoch wertend mit Richtigkeit oder Falschheit zu charakterisieren, ergibt in meinen Augen nicht viel Sinn, da wir keineswegs wissen können, ob all diese Entscheidungen, die wir treffen richtig oder eben falsch sind.

Solange wir aber wissen WER WIR SELBST SIND und ob wir genauso sein wollen, wie wir sind und uns lieben und mit uns leben wollen genauso wie wir sind, dann KANN es doch nur RICHTIG sein und auch wenn wir es noch nicht wissen, dann waren all unsere Entscheidungen auf keinen Fall die Falschen, sondern lediglich ein wichtiger Teil unserer Selbstfindung. Mit jeder Entscheidung finden wir immer mehr zu uns selbst, bis wir endlich ganz wir selbst sind und aufhören können, nach uns zu suchen, da wir wissen wer wir sind.

Wenn mich heute jemand fragen würde, ob ich alles in meinem Leben wieder genauso machen würde, wie ich es getan habe, würde ich demjenigen antworten, dass es zwar einige Dinge gibt, die ich gerne anders gemacht hätte, die wirklich scheiße gelaufen sind und die ich mir wirklich gerne erspart hätte, aber dass ich mir dennoch sehr sicher bin, dass auch diese beschissenen Erfahrungen wichtig für mich waren und dass ich erst dadurch wirklich gelernt habe, die Schönheit des Lebens zu erkennen und die wundervollen kleinen und doch so wertvollen Dinge schätzen zu lernen und dass ich mir sicher bin, dass ich – auch, wenn ich mich in einigen Situationen anders entschieden hätte – irgendwann trotzdem genau dort angekommen wäre, wo ich heute bin. Bei mir selbst. Und du? Bist du du selbst?

Beitragsbild: Michael Dutzke

 

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