Über mich

Kampf mit Herz

Wer nicht kämpft, hat schon verloren

 

Mein Name ist Lisa Maria, ich bin zwanzig Jahre alt und mit meiner Geschichte möchte
ich Betroffenen helfen, wieder zu sich selbst zu finden und Mut, Kraft und Willensstärke
zu sammeln, um weiterzumachen. Ich möchte all denen eine Unterstützung sein, die sich selbst genauso lieben wollen, wie sie sind, aber noch nicht genau wissen, wie das geht.
Ich möchte aufklären, erzählen und Außenstehende zum Verstehen bringen. Ich möchte
eine Brücke aus dem Teufelskreis bauen und diese mit immer wieder neuer Motivation
stärken. Ich möchte für euch da sein.

Einige von euch werden meine Geschichte bereits kennen und wissen, welcher
Weg hinter mir liegt, da ich vor ungefähr zwei Jahren diese schon einmal niedergeschrieben und veröffentlicht hatte. Auch auf meinem damaligen YouTube Channel hatte ich kurzeitig davon erzählt und wollte dies auch eigentlich fortführen, um das Unwissen über diese Krankheit zu beseitigen und den Betroffenen Mut zuzusprechen. Doch YouTube war nie meine Welt und auch meine Freude an Sport war durch verschiedene Faktoren kurzzeitig geschwunden. Manchmal dauert es, bis der richtige Weg gegangen und die, so unglaublich wichtige, Balance im Leben gefunden wird.

Das Leben ist nicht immer einfach und ich denke, das hat ein Jeder von uns schon einmal zu spüren bekommen. Manch Einer mehr, ein Anderer weniger. Alles in allem weiß jedoch jeder von uns, was es heißt, kämpfen zu müssen und dass dazu nicht nur Willensstärke, sondern oft auch jede Menge Mut und Durchhaltevermögen gehört; Dass man sich oft fragt, wozu man das Ganze überhaupt macht; Dass oft mit dem Gedanken gespielt wird, einfach aufzugeben und alles hinzuwerfen; Dass viele Tränen fließen und dass das alles enorm viel Kraft kostet. Aber im Endeffekt müssen wir eben doch zu dem Entschluss kommen, dass das Aufgeben einfach keine Option ist und dass es IMMER einen Ausweg gibt!

Für alle die, die nicht wissen, wovon ich gerade rede, schreibe ich meinen „Kampf mit Herz“ noch einmal nieder. Das genaue Datum kenne ich nicht mehr und auch das Alter, welches ich damals hatte, kann ich nicht mehr genau nennen. Vieles habe ich verdrängt und vergessen. In symbolische Schubladen gesteckt und den Schlüssel in das Meer geworden. Vieles ist dunkel, wenn ich versuche mich zu erinnern, besonders meine Gefühle. Als Kind war ich immer „der kleine Sonnenschein“, hatte immer ein Lächeln im Gesicht und war wirklich fast immer glücklich. Mir fehlte an nichts und daran hat sich auch nie etwas geändert. Mama und Papa waren aufgrund ihrer Selbstständigkeit zwar sehr viel arbeiten, aber haben immer dafür gesorgt, dass es mir gut geht. Wie es dennoch zu der Krankheit kam? Ich habe wirklich keine Ahnung…

Damals müsste ich ungefähr um die vierzehn – es kann auch dreizehn – Jahre alt gewesen sein. Ich kam gerade in die Pubertät oder war vielleicht auch schon mitten drin, ich weiß es nicht mehr genau. Auf jeden Fall änderte sich etwas in mir. Meine Unbeschwertheit verflog. Das sorgenlose Kind, das ich einmal war, fing an, sich ständig im Spiegel zu betrachten, sich mit anderen Mädchen zu vergleichen und sich auf einmal nicht mehr wohl zu fühlen wie es war. Hier fühlte ich mich zu „dick“ und dort zu „unförmig“. Niemals könnte ich aussehen wie eines der Models im TV, wie könne das jemals funktionieren? „Aber es muss doch! Das ist doch das Ideal! Nur so findet man Akzeptanz unter den Anderen, nur so wird man erfolgreich und glücklich!“

 Ist das wirklich so?  NEIN! Heute weiß ich, dass es nicht das Aussehen ist, das einen Menschen auszeichnet, sondern der Charakter, die Persönlichkeit, die Menschlichkeit – es ist die innere Schönheit die uns wirklich schön macht und nicht irgendein „Ideal“ oder „Vorbild“ aus der Modewelt, die leider im Endeffekt oft nicht mehr sind als ein wenig Haut und Knochen. Wie konnte es soweit kommen, dass kleine Mädchen schon ab einem Alter von zwölf Jahren beginnen, sich mit „Idealen“ aus der Modelwelt zu messen. Dass sie aufhören zu Essen und vergessen Kind zu sein; Dass sie vergessen, was es heißt glücklich mit sich selbst zu sein, sich selbst so zu lieben, wie man ist.

Wie konnte es dazu kommen, dass immer mehr junge Frauen und auch Männer sich im Spiegel nicht mehr erkennen und etwas Anderes sehen, als sie doch eigentlich sollten.
Wieso sehen sie diesen wunderschönen, einzigartigen Menschen nicht mehr, der sie dort aus Ihrem Spiegel aus anschaut? Wieso verschließen sie die Augen vor den so wunderschönen Dingen und konzentrieren sich auf die kleinen Makel?

Ist es wirklich wichtiger, dünn zu sein als gesund und glücklich? Ist es wirklich wichtiger den „Idealen“ zu entsprechen und sich dadurch selbst zu zerstören? Wie konnte es so weit kommen, dass wir meinen nur dünn ist schön? Wer bestimmt dieses Ideal?

Die Medien machen uns kaputt, SIE bestimmen was „Schönheit“ ist und was nicht. Und wir? Wir nehmen es einfach so hin. Wir hinterfragen auf einmal nichts mehr.
Wir bilden uns nicht mehr unsere eigene Meinung, haben keine eigene Sicht der Dinge mehr. Kennen nur „die eine Wahrheit“, nur „das eine Ideal“. Menschen hungern sich in den Tod, aber für was? Um schön zu sein und um den Idealen zu entsprechen? Ich kann vor dieser Welt nur noch die Hände vor den Augen zusammenschlagen…

Das ist meine Ansicht heute. Hätte ich diese Einsicht schon damals gehabt – hätte ich damals schon das Wissen gehabt, dass Schönheit im Auge des Betrachters und im Inneren von uns liegt, dann hätte ich mir und vor allem meinen Eltern vieles ersparen können. Ich sah es aber nicht so wie heute. Ich wusste es nicht besser. Ich glaubte, was ich sah, was man mir in den Medien erzählte und was die anderen Mädchen sagten. Ich wollte auch dünn

sein und nicht nur schlank, wie ich es eigentlich damals schon war, denn dick war ich nie. Nein, ich WOLLTE dünn sein – und das um jeden Preis.

Begonnen habe ich mit einem Gewicht von, ich glaube es waren um 57,58 Kg bei einer Größe von ungefähr 165cm. Ich versuchte Diäten über Diäten, aber nichts half. Ich wusste nicht weiter. Ich wollte es doch aber so sehr. Ich verzweifelte und dann, ja dann begann ich zu kotzen. Anfangs nur ein paar mal. Dann immer öfter und schließlich mehrmals am Tag. Bulimie nennt man diese Krankheit, fand ich später heraus. Ich hasste, was ich da tat und es widerte mich so dermaßen an, aber ich konnte es trotzdem einfach nicht lassen.

Essen hat mir Angst gemacht. Ich wollte keine Kalorien zu mir nehmen und wenn, dann musste ich sie möglichst schnell wieder loswerden.  Das Weggehen mit Freundinnen war für mich nicht mehr unbeschwert, denn sobald es um das Thema Essen ging, machte sich die Angst in mir breit. Ich wusste ganz genau, dass etwas mit mir nicht stimmte, aber was sollte ich tun? Dünn sein war mir einfach wichtiger als meine Gesundheit und alleine schaffte ich es nicht da raus. Ich brauchte Hilfe und vor allem WOLLTE ich Hilfe.

 

Eines Abends hielt ich es dann nicht mehr aus und erzählte meiner Mama unter Tränen, was ich tagtäglich tat. Natürlich ist ihr aufgefallen, dass ich dünner geworden bin, aber dass diese „Methode“ dahintersteckt, brachte auch sie zum Weinen. Wir beschlossen mir Hilfe zu holen. Ich brachte zu diesem Zeitpunkt ungefähr noch 51-52 Kilo auf die Waage. Meine sinnlose Idee, um das Kotzen loszuwerden, war es, das Essen einfach ganz sein zu lassen. Das war natürlich das Dümmste, was ich hätte machen können, denn so rutschte ich von der Bulimie in die Magersucht. Für mich gab es jedoch keine andere Lösung, da ich noch immer das „Schönheitsideal“ der „Super-Dünnen“ verfolgte und ich nahm alles in Kauf. Die Konsequenz daraus war schließlich, dass ich zusammenbrach und mit 48 Kilo ins Krankenhaus kam.

Vier Wochen musste ich dortbleiben und durfte kaum laufen, da ich keine Kalorien verbrennen durfte. Ich fühlte mich, als würde ich gemästet werden und wurde immer unglücklicher. Schon vor der Krankenhauszeit lag ich nur noch im Bett, hatte keine Kraft, keine Energie und keine Freude mehr – an nichts. Dort wurde alles noch schlimmer.  Nach vier Wochen wurde ich endlich entlassen, jedoch nur mit dem Versprechen, stationär in Behandlung zu gehen, um das Essen wieder zu lernen. Mir blieb demnach nichts Anderes übrig, als mich bei einer Psychosomatik auf die Warteliste setzen zu lassen und abzuwarten.

Das „Warten“ verging schnell, denn schon nach kurzer Zeit kam der Anruf. Ein Platz war frei. Geschockt von der Nachricht und dem Wissen mein Zuhause jetzt erst einmal auf ungewisse Zeit verlassen zu müssen, versuchte ich mich so gut wie möglich innerlich auf das Bevorstehende vorzubereiten. Aber das kann man nicht. Sich auf so eine „Reise“ vorzubereiten, ist schlicht weg unmöglich. Wenige Tage nach dem Anruf ging es auch schon los. Meine Gefühle zu dem Zeitpunkt?

Leere. Ich wusste nicht was ich denken oder fühlen sollte – wenn ich heute daran zurückdenke, dann wird mir immer noch unwohl bei dem Gedanken.

Insgesamt zehn Wochen verbrachte ich dort, wo es das Ziel war, das Essen wieder zu lernen und an Gewicht zuzunehmen, was natürlich meinem persönlichen Ziel der Gewichtabnahme widersprach. Es war der reine Horror. Ich hatte wahnsinnige Angst zu Essen, aber wurde gezwungen. Für mich waren das Unmengen an Essen zu dieser Zeit und als wenn das alles nicht schon genug wäre, dass man sich richtig überfressen und schlecht fühlt und immer mit dem Gedanken zu kämpfen hat, dass man am liebsten alles wieder auskotzen würde, ordneten sie einem auch noch „Bettruhe“ an, sodass der ganze Tag aus purem und langweiligem „Im-Bett-liegen“ bestand. Ach ja, das Handy wurde uns übrigens auch weggenommen, bis auf eine Stunde am Tag – welche eine Großzügigkeit! Man sollte sich mit seinen Gedanken auseinandersetzten…

Keine Sorge, das habe ich auch so schon oft genug getan. Dafür brauchte ich niemanden, der über mich bestimmt oder mir meine einzige Kontaktmöglichkeit zur Außenwelt wegnimmt. Die Bettruhe war zum Glück nur auf die ersten Wochen beschränkt, danach durfte ich sogar ab und zu mal nach draußen – oh was tat das gut!

Jeden Morgen wurden wir gewogen, aber mal im Ernst: wir sind nicht blöd. An allen Stellen wurde geschummelt und gemogelt so viel man nur konnte. Der Wecker wurde extra früh gestellt, so dass noch genug Zeit war zwei bis drei Liter Wasser zu trinken, damit die Waage mehr anzeigte und wenn man sich nicht gerade vor Aufregung übergeben musste, dann funktionierte das auch ziemlich gut.

Pro Woche hatten wir gerade einmal ein bis höchstens zwei Mal eine süße dreiviertel Stunde ein Therapiegespräch – was für einen Zeitraum von
24 h/ Tag an diesem Ort mir definitiv zu wenig erschien, da unser Problem ja gerade in unseren Köpfen, beziehungsweise in unserer Denkweise lag und gerade deswegen eine Therapie in Form von Gesprächen mir durchaus sinnvoller erschien, als die geniale Idee der Betreuer, irgendwelche Farben sinnlos und wie kleine Kinder auf einen Blatt Papier zusammen zu bringen und so unsere Gefühle zum Ausdruck zu bringen – Für ein schwarzes Blatt Papier brauchte keiner von uns wirklich lange, aber nun gut, dann machten wir halt mehr davon.

Das Schlimmste jedoch waren die Nächte. Neben meinem Bett stand ein Monitor, an den ich angeschlossen war. Dieser sollte meinen Herzschlag überwachen. War mein Puls in der Nacht zu niedrig, so weckte mich das Ding und das passierte gefühlt stündlich. Ich wusste bereits von Anfang an, dass dies ein langer und harter Weg werden würde, aber genauso wusste ich auch von Anfang an, dass ich stark bin, dass ich kämpfen kann und kämpfen werde und dass ich gesundwerden will und dass ich dies auch schaffe! Es waren zwei Stimmen in meinem Kopf, die eine war die Starke, Vernünftige. Die, die genau wusste was zu tun war. Die andere war die Kranke, Schwache. Die, die dünn sein wollte. Die, die nicht verstand, dass ich dabei war, mich selbst zu zerstören.

Es war ein ständiger Kampf zwischen ihnen, der endlos erschien und wo am Ende des Tages doch immer die Kranke, Schwache die lautere Stimme war. Es war ein Teufelskreis!
Doch nach dieser einen Nacht fing auch diese Stimme endlich zu verstehen an. Der Monitor weckte mich in dieser Nacht besonders oft. Immer wenn ich gerade dabei war einzuschlafen, ertönte dieses ohrenbetäubende Geräusch. Ich bin fast ausgerastet. Die Pflegeschwester kam fünf, sechs Mal in mein Zimmer, um das schrille Piepen wieder abzustellen, bis sie letztlich endlich den Monitor ausschaltete, um mir wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu ermöglichen.

Am nächsten Morgen jedoch kam sie direkt wieder in mein Zimmer, sah mich ernst an. Was sie mir dann sagte, war wie ein Schlag ins Gesicht – ein Schlag, den ich schon viel früher gebraucht hätte. Sie sagte, dass meine Herzfrequenz dermaßen niedrig war in der Nacht, dass sie kurz davor waren mich auf die Intensivstation zu verlegen – falls mein Herz stehen bleiben sollte.

Mir lief es kalt den Rücken runter, ich hörte was sie sagte, aber sie schien so weit weg. Es dauerte, bis ich verstand. Die Worte „falls es stehen bleibt“, hallten noch eine gefühlte Ewigkeit in mir nach. Das war der Tag, an dem ich erst so richtig verstand, was diese Krankheit eigentlich mit einem machen kann. Sie kann einen Menschen töten – Und das passiert leider nicht selten.

Was für eine enorme Kraft und Willensstärke man braucht, um diesen Kampf zu gewinnen, ist kaum zu beschreiben. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich unendlich dankbar bin, dass meine Familie immer hinter mir stand und mich nie alleine gelassen hat.

Das war die härteste Zeit in meinem noch so jungen Leben und auf diesem Weg habe ich viel über mich selbst gelernt. Ich musste schneller erwachsen werden, als andere in meinem Alter, aber das ist völlig in Ordnung. Ich habe „Freunde“ auf dieser Reise verloren und gemerkt, dass viele Menschen mit einer solchen Krankheit nicht umgehen können, einfach, weil sie es nicht verstehen. Wie auch? Es ist schwer für Außenstehende, besonders für Freunde, mit ansehen zu müssen, wie ein Mensch sich selbst zerstört. Wie ein Mensch, der einem einst wichtig war, dabei ist, sich in Luft aufzulösen. Nicht nur das äußere Erscheinungsbild wird immer weniger, auch das Innere, das was einen Menschen ausmacht, löst sich langsam auf.

Ich kann verstehen, dass es nicht einfach ist, all das mit anzusehen und dass sich deshalb viele von einem abwenden, auch die, von denen man dachte, sie würden einen nie alleine lassen. Ich kann verstehen, dass es schwierig ist, den richtigen Umgang mit dieser Krankheit zu finden und dass viele daran scheitern. Genau deswegen, bin ich meiner Familie so dankbar, dass sie diesen Weg mit mir gegangen ist und es gemeinsam mit mir geschafft hat.  Nach diesen zehn Wochen lag noch eine lange ambulante Therapie vor mir, die mich im Alltag unterstützen sollte.

Meine ganz persönliche Meinung zu all dem ist jedoch, dass all das bei mir nicht wirklich viel gebracht hat. Die zehn Wochen waren pure Zeitverschwendung. Das „Lernen“ des Essens – sinnlos. Sobald ich zu Hause war, nahm ich erneut ab. Es konnte ja nicht anders sein. Die kranke Stimme wurde wieder lauter, ich „vergaß“ wie schwach mein Herz war und wollte nur dieses schreckliche Gefühl der Schwere und der Last von dem ganzen Essen der vorhergegangenen Monate wieder loswerden. Es war ein Auf und ein Ab und ich bin ganz ehrlich, wenn man selbst nicht zunehmen will, dann wird man auch nicht gesund, weil man sich schlichtweg selbst verarscht.

Damit möchte ich nicht sagen, dass es bei jedem so ist, es ist nur meine Sicht der Dinge. Außerdem war ich glücklicherweise, im Vergleich zu anderen Betroffenen, noch relativ stabil was mein Gewicht anging. In anderen Fällen ist ein solcher stationärer Aufenthalt natürlich Lebensnotwendig!

Mir half jedoch etwas ganz Anderes. Ich begann das Zunehmen als Projekt zu sehen. Die Idee entwickelte ich, als sich das Fernweh in mir breitmachte. Hier war es kalt, nass und grau. Es gab nicht viel was mir hier hielt. Ich wollte weg von hier. Am besten ans andere Ende der Welt und was bot sich da besser an als Australien? Dafür musste ich jedoch ein Mindestgewicht haben, damit ich einen „Puffer“ hatte, falls meine Krankheit wieder schlimmer und die kranke, schwache Stimme wieder lauter wurde. Also nahm ich zu. Gewollt und aus eigener Kraft und wer hätte es gedacht – es funktionierte! Aus eigener Kraft klappt eben alles am besten.

Das Ziel war erreicht, meine Schule beurlaubte mich für drei Monate und los ging es. Nicht nur meine Reise ans andere Ende der Welt, sondern auch mein Weg in die Gesundheit. Meine Gastfamilie nahm scheinbar nur Schüler aufgrund des Geldes bei sich auf und es war ihnen völlig egal, ob diese etwas von dem Land sehen oder eben nicht. Dementsprechend unternahmen sie auch nichts mit mir und ich musste mir eine Beschäftigung suchen, denn der Ort wo ich lebte war klein und langweilig. Aber er hatte ein GYM!

 

Und dort begann meine Liebe zum Kraftsport. Dort begann ich, mein Bild von mir selbst zu verändern. Ich wollte plötzlich nicht mehr einfach nur dünn sein, ich wollte fit werden und zunehmen durch Muskelaufbau. Ich kaufte mir mein erstes Whey Protein und begann zu trainieren. Meinen ersten Trainingsplan bekam ich von einem kleinen, so breit gebauten wie großen Trainer mit Glatze, der mich damals extrem einschüchterte, an sich aber ein total Lieber war.

Nach der Zeit in Australien kam ich zu Hause an mit neuer Motivation, Kraft und Energie. Ich lernte viel über die Ernährung, über das Training. Traf die richtigen Leute, die mich unterstützten, mir halfen, mir sagten was ich mache muss, um meine Ziele zu erreichen. Genau das war der Zeitpunkt, an welchem ich anfing gesund zu werden. Das war der Zeitpunkt, an welchem ich anfing wirklich von selbst zunehmen zu wollen und wo ich selbst die Initiative ergriff und loslegte. Das war der Zeitpunkt, an welchem meine kranke Stimme verschwand. Auf eine gesunde Weise und über einen wesentlich längeren Zeitraum als in der Klinik nahm ich schließlich zu.

Von meinen damaligen 45 Kg brachte ich es nach einem Jahr auf 58 Kg und dann ging es ans Definieren. Ich hatte Spaß, Freude und endlich wieder Lust am Leben. Ich ging gerne zum Sport, aß wieder gerne und lachte sogar wieder. Doch damit war mein Kampf noch nicht gewonnen. Die Magersucht schlug um in eine Sportsucht. Sieben Mal die Woche ging ich zum Training und auch wenn dieser Lebensstil gesünder war, als mein vorheriger, war auch das nicht wirklich gut. Ich ließ meinem Körper keine Auszeit, Restdays kannte ich nicht. Ich fühlte mich schlecht, wenn ich nicht zum Training ging. Ich trainierte bis ich krank wurde und gezwungener Maßen nicht mehr trainieren konnte.

Oh man, aus heutiger Sicht würde ich meinem damaligen Ich so extrem gerne einfach mal so richtig eine überziehen, damit mein damaliges Ich aufwacht. Es dauerte alles gefühlt eine halbe Ewigkeit bis ich dem Sportzwang entkam. Heute geht es mir endlich wieder richtig gut und ich kann stolz sagen: „JA, ich liebe wie ich bin!“. Aber alleine hätte ich das alles nie geschafft. Meine Familie war wirklich immer für mich da und all diejenigen, die mir bei meinem Projekt Muskelaufbau geholfen haben, sind wirklich Gold wert! @Dilara_cee; @Fitnessoskar, @Victorsfitnesskueche.

Doch es gibt einen ganz besonderen Menschen, durch welchen ich es erst wirklich geschafft habe, mich so zu akzeptieren und zu lieben wie ich bin. Mein Freund, meine große Liebe, mein Ein und Alles, Mirco. Ohne dich wäre ich immer noch das kleine schüchterne Mädchen, dass nicht weiß wohin mit sich. Dass sich tagtäglich Gedanken um seine Figur, um sein Äußeres macht. Ich wäre noch immer Gefangene meiner Gedanken und gefangen in der Welt der „Ideale“. Ich wäre noch immer am kämpfen und noch immer hätte ich den Weg zu mir selbst nicht gefunden. Doch durch deine Unterstützung, deine Worte, deinen Halt und vor allem durch deine Liebe zu mir habe ich es geschafft zu verstehen, dass ich richtig und gut bin genauso wie ich bin und dass ich wunderschön bin, auf meine ganz persönliche Art und Weise.

Heute weiß ich endlich, was wirklich wichtig ist im Leben. Es ist eben nicht das perfekte Äußere! Es sind die Menschen, die man liebt, die Familie und der Partner an der Seite. Es ist die Gesundheit, sowohl die körperliche als auch die seelische. Es sind die Momente, in denen man sich unbeschwert fühlt und einfach nur glücklich ist. Es ist das Lachen der kleinen Kinder, die den Raum mit ihrer bloßen Anwesenheit füllen. Es ist eine Umarmung und ein Kuss nach einem Streit. Es ist das Unbeschwerte. Das: Ich darf auch mal ein Eis essen und ja verdammt, wenn ich will, dann sogar Zwei! Und ja, auch ein Glas Rotwein darf es mal sein – Hauptsache man fühlt sich wohl und ist glücklich, genauso wie man ist! Das ist es doch was zählt und nicht die Kalorien oder die Ziffern auf der Waage!

Ich appelliere an alle Mädchen und Jungs, an alle jungen Frauen und Männer: lasst euch von den Medien nicht vorschreiben wie ihr zu sein habt! Lasst euch von denen nicht sagen, was „Schönheit“ ist. Denn JEDER von euch ist wunderschön! Auf seine ganz eigene und persönliche Art und Weise und dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob man dick oder dünn, groß oder klein, hell- oder dunkelhäutig ist, denn die Schönheit kommt von innen!
Merkt euch das, Mensch!

 Mit ganz viel Liebe, Herz und einem riesigen Kämpferherz,

Eure Lisa Maria

 

 

Processed with MOLDIV
damals – heute

Der Weg bis heute war nie einfach. Stressbedingt habe ich in den
letzten Monaten leider wieder ein bisschen was verloren. Ich war
schon muskulöser, hatte kräftigere Beine und Arme – doch da komme
ich auch wieder hin! Es gibt immer wieder Höhen und Tiefen im Leben
und man muss immer wieder das Beste daraus machen!
Das Wichtigste ist aber, dass ich mich endlich gut fühle,
endlich glücklich und gesund bin und Menschen um mich habe,
die immer für mich da sind. Denn nur gemeinsam ist man stark.
Gemeinsam kann man alles schaffen!

 

 

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2 thoughts on “Über mich

  1. Deine Ehrlichkeit und Offenheit diese persönliche Geschichte zu teilen macht mich sprachlos. Wunderbare Worte hast du gefunden und mir ging win schauer und auch ein wohlgefühl durch als ich das gelesen habe. Auch der Name deines Blogs hat mich neugierig gemacht und nach dieser Geschichte so eine große wunderbare Bedeutung.Du hast nicht mur dich lieben gelernt-was das aller aller wichtigste im leben ist- sondern deine Liebe zum Schreiben entdeckt. Mach weiter so kleine Lisa und genieße jeden Moment und jedes Gefühl in deinem Leben 😍😙

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    1. Oh wow! Jetzt bin ich sprachlos!
      Vielen, vielen tausend Dank für diese ehrlichen und lieben Worte,
      das bedeutet mir sehr viel! Ich kann gar nicht sagen, wie sehr
      ich mich gerade über dieses wunderschöne Feedback freue!
      Das gibt mir nochmal zusätzlichen Mut und Kraft und ich kann
      gar nichts sagen vor Sprachlosigkeit gerade außer: DANKE!
      Fühl dich gedrückt, liebe Sabrina! ❤
      Ich kenne dich zwar nicht persönlich, aber ich habe im Gefühl, dass du ein
      ganz toller Mensch bist! Du hast dir die Zeit genommen,
      das alles zu lesen und mir ehrliche Worte dafür geschenkt, dafür kann
      ich gar nicht oft genug danke sagen!
      Du bist so eine Liebe! DANKE!

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